Sind wir unsichtbar?

Die Pläne zum Abriss des Hauses Deutz-Mülheimer Straße 129 zugunsten eines Mischgebiets mit Wohnen und Gewerbe beruhen offenbar auf Unkenntnis der Situation.

In der Beschlussvorlage zum Bebauungsplan-Entwurf Nr. 69460/07 heißt es unter der Überschrift „vorhandene Strukturen“ (Punkt 2.2 der Anlage 3):

Das Plangebiet selbst stellt sich als überwiegend ungenutzte, nahezu vollständig versiegelte Brachfläche dar. Von den heute noch vorhandenen ehemaligen Werksgebäuden des KHD-Werkes, die von der ursprünglich industriellen Nutzung des Plangebietes zeugen, befinden sich drei Gebäude unter Denkmalschutz. Lediglich die ehemalige Gummifädenfabrik an der Deutz-Mülheimer Straße 127 - 129 wird heute noch von Künstlern genutzt.

In der Beschlussvorlage der Bezirksvertretung Mülheim zur Sitzung vom 24.3.2014 (Änderung des Flächennutzungsplans auf dem Euroforum Nord) heißt es unter Punkt 5.1 der Anlage 4, bestehende Nutzungen:

Die Fläche selbst liegt überwiegend brach; neben ehemaligen Werksgebäuden des KHD-Werkes findet sich vereinzelt denkmalgeschützter Baubestand. Lediglich die ehemalige Gummifädenfabrik an der Deutz-Mülheimer Straße wird noch genutzt (KunstWerk e. V., Ateliergemeinschaft Kunstetage Deutz, Musikclub Gebäude 9 u. a.).

Diese Informationen sind falsch! Sie übersehen mal eben über 130 Arbeitsplätze im Plangebiet. Wir fragen: Wie kann das passieren?

Die aktuelle Planung, nach der unser Haus für eine Zufahrtsstraße und ein die Straße begleitendes Wohn- und Geschäftshaus abgerissen werden müsste, können wir uns nur damit erklären, dass im Stadtplanungsamt offenbar nicht bekannt war, wie intensiv und kreativ dieses Haus genutzt wird. Wir vermuten, dass, wenn die Fakten bekannt gewesen wären, die Zufahrtsstraße an anderer Stelle läge oder die in unserem Gebäude vorhandenen Tordurchfahrt für LKW genutzt würde. Anders können wir uns jedenfalls nicht erklären, warum ein Haus mit einer so einmaligen Nutzerstruktur, toller Bausubstanz und einer das Straßenbild prägenden Fassade so leichtfertig überplant wurde.

Da unser Haus ausschließlich von nicht störendem Gewerbe belegt ist und zudem die dahinter liegenden Bereiche vom Straßenlärm trennt, würde es sich hervorragend in das geplante Mischgebiet einfügen. Die geplante Wohnnutzung entlang der vielbefahrenen Deutz-Mülheimer Straße und in unmittelbarer Nähe zur Zoobrücke ist zwar möglich, aber durchaus nicht naheliegend. Das gleiche gilt für die angestrebte Ladennutzung im Erdgeschoss: Wer die Struktur der Deutz-Mülheimer Straße kennt, weiß, dass das keine Einkaufsmeile ist und auch nicht werden wird. Die vorhandene, kreative, gemischte und hochproduktive Nutzung dieses Abschnitts der Deutz-Mülheimer Straße sollte deshalb nicht leichtfertig aufgegeben werden. Es kann doch nicht angehen, dass die Stadtplanung zusammen mit dem benachbarten Kunst- und Gewerbehof die einzige intensiv genutzte Ecke auf dem riesigen Areal zerstört, um dann hinterher mühselig und mit unsicheren Erfolgsaussichten genau solche kreativen Strukturen innerhalb eines Mischgebietes wieder anzustreben.

Wir freuen uns auf neue Nachbarn. Wir wissen auch, dass Köln großen Bedarf an neuen Wohnungen hat und finden es richtig, dass die Stadt dafür große Anstrengungen unternimmt. Aber diese Anstrengungen dürfen nicht zu einem Mantra werden, dem alle anderen städtischen Qualitäten ohne Abwägung weichen müssen, und schon gar nicht in Mülheim, wo auch Arbeitsplätze, noch mehr als in anderen Stadtteilen, dringend gebraucht werden. Auf der riesigen verbleibenden Fläche um unser Haus ist jede Menge Platz, und jede Menge besser geeigneter Platz für Wohnungsbau, dafür muss man die kleine, intensiv genutzte Ecke, die unser Haus gemeinsam mit dem benachbarten Kunst- und Gewerbehof darstellt, nicht abreißen. Das ist nicht glaubhaft darstellbar! Es gibt keinen vernünftigen Grund, unser Haus abzureißen. Plant die Stadt mit uns!

Die Mieter der Deutz-Mülheimer Straße 129

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